Ein unkluges Foto – Was ist kulturelle Intelligenz?

Kultur geht weit über Nationalitäten hinaus – also gehört zu kultureller Intelligenz (CQ) auch mehr dazu, als Gepflogenheiten anderer Länder zu kennen. Aber was ist CQ genau, und was kann getan werden, um eine solche auszuweiten?

von Veronika Henschel, cinfo

Letztes Jahr verbrachte ich einige Monate bei Beduinen in Israel. Viel hatte ich bereits gesehen und gelernt: Es gibt frei laufende Kamele, von Frauen macht man keine Fotos, in einen richtigen Falafel gehören Pommes. Eines Tages wollte ich ein Foto von dem Dorfkamel machen. Doch kaum ging ich mit der Kamera in der Hand auf das Tier zu, kamen mir mehrere Männer wutentbrannt und schnellen Schrittes entgegen. Ich hatte keine Ahnung, was genau sie mir zuriefen – aber dass sie nicht begeistert von meinem Foto-Vorhaben waren, war offensichtlich. Ich war verwirrt und fühlte mich unwohl, da ich die Situation oder potentielle Gefahr nicht wirklich verstehen konnte – von einem Verbot von Tierfotografien hatte mir niemand etwas gesagt. Wie hätte ich mich in einer solchen Situation richtig verhalten müssen?

Was ist CQ?

CQ bezeichnet die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede reflektieren und sich dementsprechend verhalten zu können.

Seit einiger Zeit taucht im Zusammenhang mit interkulturellen Kompetenzen immer wieder der Begriff der kulturellen Intelligenz auf, auch CQ genannt. CQ bezeichnet die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede reflektieren und sich dementsprechend verhalten zu können. Dass dies in unserer globalisierten Welt zunehmend essentiell ist, muss hier wohl kaum betont werden. Immer mehr Akteure vernetzen sich, verschiedenste Menschen tauchen sich aus – und versuchen, im Beruf oder Alltag, einander möglichst gut zu verstehen und respektvoll miteinander umzugehen. Der Begriff „Kulturelle Intelligenz“ wurde zu Beginn vor allem von den Forschenden Earley, Ang und Van Dyne geprägt und besteht aus vier Komponenten: CQ drive (Motivation), CQ knowledge (Kognition), CQ strategy (Meta-Kognition) und CQ action (Verhalten). In der internationalen Zusammenarbeit ist CQ unersetzlich, und das auf allen Ebenen, von operationellen Fachkräften bis hin zum Management.

Kulturelle Intelligenz lernen

Kulturelle Unterschiede haben viele Facetten, von denen Nationalität nur einen marginalen Anteil ausmacht: Alter, Geschlecht, soziale Schicht, Bildungsstand, Sprache – die Liste liesse sich endlos fortführen. Diese Differenzen situativ erkennen und wertfrei erfassen können, um sie dann sensibel zu überbrücken, das ist interkulturelle Kompetenz und zeichnet einen hohen CQ aus. Eine Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu entwickeln und vertiefen bieten verschiedene Kurse, wie beispielsweise cinfo’s Kurs Collaborating Across Cultures. Solch ein Training kann auf ein bevorstehendes Aufeinandertreffen mit anderen Kulturen vorbereiten und helfen, sich nicht unbeabsichtigt in unangenehmen Situationen wiederzufinden – oder herausfordernde Momente im Nachhinein besser zu begreifen und daraus zu lernen.

Später fand ich heraus, dass diese Männer der Überzeugung waren, ihr Kamel werde krank, wenn es von fremden Personen fotografiert werde. Ich verstand, dass ich im Vornherein abklären und fragen sollte, ob und unter welchen Bedingungen ich Fotos machen könnte. Dieses Wissen bereits vorher zu haben hätte mir viel Verwirrung erspart.
Ein Kurs zur Zusammenarbeit mit anderen Kulturen hätte mir helfen können, mich besser auf potentielle Fettnäpfchen vorzubereiten oder mich sensibler in Situationen einzufühlen und angemessener in diesem Umfeld zu bewegen. Mir wäre bewusster geworden, wie vielschichtig „Kulturen“ sind, welche Glaubenssysteme und Bräuche dahinter stecken – und wie wichtig kulturelle Intelligenz für das Gelingen der Arbeit und auch für die eigene Sicherheit ist.

cinfo's Training: Collaborating Across Cultures

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