Einstiegswege – eine Typologie

Vor allem zwei Faktoren bestimmen die individuellen Möglichkeiten und die Art des Einstiegs in die internationale Zusammenarbeit: der angestrebte Bereich innerhalb der IZA sowie diejenige Phase der beruflichen Laufbahn, in der man sich aktuell befindet.

Von welcher Situation man auch ausgeht: Wichtig ist, diese zunächst zu analysieren, sich über Motivation und Ziele klar zu werden und anschliessend mit einer eingehenden Recherche zu beginnen – im Internet, an Veranstaltungen, durch Networking. Um einen möglichst breiten Überblick zu erhalten, empfiehlt es sich, die Recherche über Organisationen mit Sitz in der Schweiz hinaus auszudehnen.

Nachfolgend finden Sie einen Überblick über mögliche Ausgangssituationen und die wichtigsten Dinge, auf die Sie achten sollten.

Klassischer Einstieg

Alter bis etwa 30 Jahre, Ausbildung auf Niveau Master, eventuell erste Arbeitserfahrung

Ein Einstieg unter diesen Voraussetzungen bietet die meisten Möglichkeiten. Es ist der Weg, auf dem Einsteigende – aufbauend auf ihrer Ausbildung – ihren Rucksack nach und nach mit verschiedenen Erfahrungen füllen. Was zählt, ist praktische Erfahrung, vorerst weniger wichtig sind Weiterbildungen.

Wo können Sie relevante Erfahrung sammeln?

  • Im erweiterten Umfeld der IZA: Kurzpraktika und Sozialeinsätze im Ausland, die nicht an eine professionelle Zielsetzung gebunden sein müssen.
  • Auch mit einem Engagement für soziale, ökologische oder politische Anliegen im eigenen Land lassen sich Erfahrungen sammeln, die später für die IZA nützlich sein können.
  • Grundsätzlich wichtig ist die Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt – auch ausserhalb der IZA.
  • Praktika in der IZA: Die Palette ist gross –  entsprechend variieren die jeweiligen Voraussetzungen und Entschädigungen stark. Ein Einstieg in die IZA kann mehrere Praktika mit steigenden Anforderungen, unterschiedlicher Dauer und verschiedenen inhaltlichen Ausrichtungen umfassen.
  • Nachwuchsprogramme und -stellen: Diese richten sich an Personen, die bereits zwei bis drei Jahre Erfahrungen in der IZA oder einem Berufsfeld aufweisen, welches einen Bezug zur IZA hat oder ähnliche Anforderungen stellt. Die Altersgrenze als Junior Professional Officer (JPOJunior Professional Officer ) liegt meist bei 30 bis 35 Jahren.

Späte Akademiker

Abschluss eines Masters mit (deutlich) über 30 Jahren, möglicherweise als Zweitausbildung; einige Jahre Arbeitserfahrung, aber noch wenig auf dem Gebiet des neuen Abschlusses.

Generell sind dabei – verglichen mit jüngeren Master-Absolventen – die Voraussetzungen für den Einstieg eingeschränkt. Für die begehrten Praktika konkurrieren Sie mit zahlreichen jüngeren Bewerbern. Für viele Nachwuchsstellen und -programme haben Sie die Altersgrenze überschritten.

Andererseits können Sie vielleicht die grössere Lebens- und meist auch Berufserfahrung zu Ihrem Vorteil nutzen. Informationsbeschaffung, proaktives Handeln und Networking sind noch wichtiger als bei jüngeren Einsteigern.

  • Eine mögliche Einstiegsstrategie ist, Berufserfahrung in IZA-nahen Themen wie (Aussen)Politik, Migration, wirtschaftliche Entwicklung zu sammeln oder sich auf ein Thema zu spezialisieren, das in der IZA aktuell ist. Eine Tätigkeit im internationalen Umfeld der Privatwirtschaft bringt ebenfalls wertvolle Erfahrung.
  • Ehrenamtliche Engagements können dazu beitragen, geeignete Kontakte aufzubauen und sich Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen, die für die IZA wichtig sind.
    Mehr über Volontariate und Kurzeinsätze erfahren
  • Nachwuchsstellen: Gelegentlich schreiben Organisationen Stellen ohne formale Altersgrenzen aus, die sich gezielt an Einsteiger mit einigen Jahren relevanter Berufserfahrung richten.
  • In der personellen Entwicklungszusammenarbeit (PEZA) ist mit einigen Jahren Berufserfahrung ein Einstieg grundsätzlich möglich – auch ohne IZA-Erfahrung.
    Mehr über die PEZA erfahren
  • In der humanitären Hilfe und teilweise in der Friedensförderung gibt es kaum Praktika. Gefragt sind Berufs- und ­Lebenserfahrung, die sich gut auf diese Bereiche übertragen lassen.
  • Nach einigen Jahren Berufserfahrung kann eine Weiterbildung zur Annäherung an die IZA beitragen.

Einstieg mit technischen Berufen

Abschluss einer Ausbildung auf Bachelor-Stufe oder Berufsbildung mit solider, mehrjähriger Erfahrung

Es gibt Bereiche in der IZA, für die ein Masterabschluss nicht zwingend ist. Die entsprechenden Stellen finden sich in der personellen Entwicklungszusammenarbeit oder der humanitären Hilfe. Diese sind in den Jobbörsen unterrepräsentiert, da die Arbeitgeber nicht jede einzelne Stelle ausschreiben, sondern laufend rekrutieren. Die Stellen betreffen verschiedene Berufsfelder wie zum Beispiel Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft, Handel, Technik oder Administration/Logistik.

  • Wer jung ist und noch wenig Berufserfahrung hat, kann sich einen Weg analog zum klassischen Einstieg suchen – mit einer Einschränkung: Praktika und Nachwuchsprogramme, die einen Master voraussetzen, fallen als Möglichkeit weg. Auch gibt es kaum Praktika in der humanitären Hilfe, weil Fachleute vor Ort sofort einsetzbar sein müssen.
  • Berufsleute mit solider, mehrjähriger Berufserfahrung können den direkten Weg in die personelle Entwicklungszusammenarbeit oder die humanitäre Hilfe suchen. Die Chancen dafür stehen umso besser, wenn ein Teil der bisherigen Berufserfahrung einen Bezug zu einem internationalen Kontext hatte.

Will jemand langfristig in der IZA arbeiten, kann es sich lohnen, nach ersten Erfahrungen eine spezialisierte Weiterbildung oder einen Master-Studiengang zu absolvieren. Denn das Fehlen eines Masters kann früher oder später ein Hindernis für die Laufbahnentwicklung darstellen.

Quereinstieg

Studienabschluss und solide, langjährige Berufserfahrung, aber noch keine Erfahrung in der IZA

Hinter einem Quereinstieg steht oft der Wunsch nach einem Laufbahnwechsel, beispielsweise aufgrund der Suche nach neuer Herausforderung, Neugewichtung der Werte, Sinnfragen etc.

Während «späte» AkademikerInnen das eine oder andere Element des klassischen Einstiegs unter Umständen noch nachholen können, geht es für Quereinsteigende darum, ihre bisherige Berufserfahrung auf eine neue Branche – die IZA – übertragen zu können. Dies gestaltet sich oft schwierig, da Quereinsteigende mit zahlreichen erfahrenen IZA-Fachleuten in Konkurrenz stehen. Die Frage lautet deshalb: Was bringen Sie mit, das Letztere weniger haben?

Gefragt sein können zum Beispiel sehr solide Spezialkenntnisse, am besten mit Erfahrung im internationalen Kontext, oder Kenntnisse und Erfahrungen, die bei der Privatwirtschaftsförderung von Interesse sind.

Ein Quereinstieg in die IZA setzt oft hohe Qualifikationen und internationale Erfahrung voraus, etwa im Fall eines Wechsels von einer Kaderposition in eine UN-Organisation. Oder es muss mit deutlichen Abstrichen bei Status, Lohn etc. gerechnet werden, wie zum Beispiel in der personellen Entwicklungszusammenarbeit, wo auch Personen ohne vorgängige IZA-Erfahrung gute Chancen besitzen.

Ein Quereinstieg in die IZA sollte in jedem Fall sorgfältig abgeklärt werden. Die konkreten Möglichkeiten hängen von der eigenen Berufserfahrung und der gesuchten Richtung ab. Und: Nicht jeder Wunsch nach sinnstiftender Berufstätigkeit muss mit einem Wechsel in die IZA verbunden sein… Steht beim Wunsch für eine Tätigkeit in der IZA die internationale Dimension der Arbeit im Vordergrund, kann ein anderer Bereich genauso befriedigend sein.

IZA-Panorama entdecken

Was bedeutet internationale Zusammenarbeit? Definitionen, Akteure und Laufbahnbeispiele finden Sie im Panorama der IZA-Arbeitswelt.

Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen oder ein Anliegen? Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung.

info@cinfo.ch

Diese Seite teilen