Interkulturelle Zusammenarbeit

Die Fähigkeit, erfolgreich mit Menschen mit anderem sozialem und kulturellem Hintergrund zu kommunizieren und aufeinander einzugehen, ist entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts in der internationalen Zusammenarbeit.

Das gilt besonders für humanitäre Einsätze, in der Entwicklungszusammenarbeit und der Förderung von Menschenrechten und Friedensprozessen, bei denen unterschiedliche Akteure beteiligt sind. Die interkulturelle Kommunikation ebnet Personen, die in der internationalen Zusammenarbeit (IZA) tätig sind, den Weg, um von lokalen Gemeinschaften besser akzeptiert zu werden. Damit ist sie auch ein wichtiger Faktor bei der Reduktion von Risiken, vor allem in instabilen Staaten und fragilen Kontexten, wo die Sicherheit eine tägliche Herausforderung darstellt.

Missverständnisse führen zu Frustrationen

Wenn wir mit Menschen aus anderen kulturellen und sozialen Kontexten zu tun haben, fühlen wir uns oft verunsichert oder sind verwirrt von unerwarteten Reaktionen. Missverständnisse sind daher häufiger als zwischen Menschen aus demselben Kulturkreis und mit gleichen Umgangsformen. Wenn es Ihnen als Mitglied eines Teams oder als leitende Person gelingt, mit dieser Herausforderung umzugehen, können Sie Frustrationen vermeiden, die Ihnen und Ihrem Team das Leben schwer machen würden.

Codes und Tabus nicht kennen

Aussenstehende und Fremde fühlen sich selten an die Einschränkungen durch lokale kulturelle Codes gebunden. Die unzähligen unterschwelligen sozialen und emotionalen Bezüge sind ihnen nicht bewusst, Tabus schränken sie ein. Nicht imstande, die verborgene Komplexität ihres Gastlandes wahrzunehmen, schlagen IZA-Mitarbeitende einfache, rasche und (in ihren Augen) effiziente Lösungen für ein Problem vor. Zu Hause könnten sie niemals derart harsch vorgehen.

Blinder Fleck als Hürde

Man könnte meinen, dass Beschäftigte in der IZA eine natürliche Begabung für interkulturelle Kommunikation mitbringen. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass IZA-Spezialisten trotz guten Absichten in dieser Hinsicht oft einen blinden Fleck haben, der sie davon abhält, einen respektvollen Dialog von Gleich zu Gleich aufzubauen.

Der Druck, rasch zu handeln und die mediale Aufmerksamkeit tun das Übrige, damit der Zugang hierarchisch bleibt: Mächtige, tatkräftige und grösstenteils westliche Organisationen werden dargestellt als Retter für Länder, die schlecht organisiert, ineffizient und oft korrupt erscheinen, besonders in Krisen.

...das Interventionsmodell humanitärer Organisationen bleibt in der Regel bestimmt durch den einseitigen Einsatz westlicher Fachkenntnisse, um die Opfer in der ‹Dritten Welt› zu unterstützen. Auch wenn sie öffentlich erklären, dass sie partnerschaftlich arbeiten wollen, kämpfen die Organisationen immer noch mit dieser Vorgehensweise.

Vincent Bernard (International Review of the Red Cross Number 884, 2011)
 

Die Dringlichkeit ihrer Aufgabe hält die Mitarbeitenden bei humanitären Einsätzen davon ab, aufmerksam auf die Menschen zu hören, die sie unterstützen wollen. Zudem neigen Beteiligte an Entwicklungs- oder Kooperationsprojekten – oft unbewusst – dazu, die Begünstigten belehren oder emanzipieren zu wollen.

Eine weitere Hürde ist die Ungleichheit des sozialen Status und der wirtschaftlichen Macht. Sie macht Beziehungen auf Augenhöhe fast unmöglich. Darüber hinaus fragen sich Menschen, die anderen helfen wollen, selten, welche Wirkung ihre Arbeit auf sie selbst hat und was sie wirklich motiviert.

Zeit und Geduld

Erfolgreiche Kommunikation mit Menschen mit anderem sozialem oder kulturellem Hintergrund braucht viel Zeit. Regelmässige und vertiefte Kontakte sind ebenso nötig wie eine klare Vorstellung von der eigenen kulturellen Identität und den Werten.

Möglicherweise gibt es eine natürliche kollektive Tendenz unter westlichen Menschen, eher auf Taten zu setzen, als den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wenn man Ziele erreichen, effizient und initiativ sein will, kann der «weichere» Ansatz in Vergessenheit geraten. Der besteht darin, die Menschen zu begleiten, bis sich die Situation entwickelt hat. Helfer, die lokale Werte, Bedürfnisse und Vorgehensweisen vernachlässigen, tappen in die Falle eines hektischen Aktivismus!

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Was bedeutet internationale Zusammenarbeit? Definitionen, Akteure und Laufbahnbeispiele finden Sie im Panorama der IZA-Arbeitswelt.

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